Sonntag, 14. Juni 2009

Overquiped

Vorab sei gesagt das ich diesen Artikel erstmalig mit meinem IPhone schreibe. Ich bin ein begeisterter Nutzer dieses kleinen und schicken Gerätes das sich zurecht das beste Handy der Welt nennen darf.

Ich also am TXL Terminal C hab fertig eingecheckt und genieße meinen volkommen überteuerten Milchkaffee und warte auf mein Flugzeug. Am Tisch nebenan nimmt ein kleiner dicker Herr um die 50 platz.

Schwitzend klammert er sich an eine mitgebrachte Wasserflasche. An seinem Ohr baumelt ein blau blinkendes Bluetooth-Headset das mit dem Handyknochen an seinem Gürtel per Funk verbunden ist. Macht Sinn denke ich da hat er die Hände immer frei. Der ist bestimmt Hausmeister oder so und kriegt viele Anrufe. Am Gürtel hängt noch irgendein urlalt Palm der außer Strom verbrauchen nicht viel mehr kann zum zocken reicht er aber immerhin noch und so vertreibte auch er sich die Zeit mit seinem Handheld Oldtimer und spielt Tetris oder sowas. Am Gürtel wohnt noch eine Taschenlampe und ein Feuerzeug.

Diese Art von Menschen bezeichne ich gern als total overquiped also als für ihre Verhältnisse total über ausgestattet. Niemals klingelt ihr Telefon, der Handheld ist nur Zeitvertreib. Die Taschenlampe brauchen sie auch nie und rauchen tun sie auch nicht.

Misst jetzt sitze ich wieder so blöd das ich das Flughafendisplay nicht sehen kann. Na dann guck ich mal schnell auf der TXL-Website. Welch ein Luxus.



Donnerstag, 4. Juni 2009

Ausnahmezustand

Donnerstag 7:00 morgens. Ein die Ohren betäubender Lärm drängt in meine Wohnung. Ich sehe aus dem Fenster, erschrecke und gehe sofort in Deckung. Frauen und Männer in Tarnanzügen ausgestattet mit futuristischen Waffen patrouillieren lärmenden Gerätes durch die Straße. In der Einfahrt parkt ein Pickup "Schwarzwasser Garten- und Landschaftsbau". "Oh mein Gott" denke ich! Ich mach mir erstmal nen Kaffee und versuche mich zu entspannen. Nach kurzer Zeit sehe ich klarer. Ist ja auch noch früh am Morgen! Es sind doch keine amerikanischen Söldner!

Der jährliche Grünanlagenputz fällt genau auf heute. Mit marzialisch wirkendem Gerät wird gegen Grashalme, Hecken und Bäumchen vorgegangen. Die Dreierformation bewaffnet mit Rasentrimmern wird hinten heraus von einem Panzerähnlichem Rasenmäher gedeckt. Jedes Gerät erhält seine unbändige Kraft aus einem PS-starken Benzinmotor bei dem jedem Cayenne-Fahrer die Tränen in die Augen steigen würden.

Ich beobachte eine Frau die mit Ihrem Trimmer die aus den Fugen des Mosaikpflaster Reihenverbandes wachsenden Pflänzchen Quadratmeter für Quadratmeter mit chirurgische Genauigkeit und deutscher Gründlichkeit niedermäht. Die Geschwindigkeit entspricht in etwa der von singenden und tanzenden Hare Krishna Anhängern nur der Sound ist deutlich nerviger. Ich beschließe dem zu entfliehen und doch früh zur Arbeit zugehen.

Schön ist nur das jetzt die Haufen mit Hundekacke zusammengeharkt sind (hoffentlich) und ich mich gefahrlos zu meinem Fahrrad begeben kann.

Ganz in der Nähe gibt es eine Öko-Wiese auf der Bienen, Schmetterlinge, Käfer und Vögel ein sicheres zu hause finden.

Foto: © Sven Richter / PIXELIO / www.pixelio.de

Dienstag, 2. Juni 2009

Offroad Schrippen

Wir leben in einer Gesellschaft der Regeln und Gesetze. Scheinbar! Doch hier und da tun sich einige kleine Enklaven auf die vollkommen ungeregelt unseren Alltag prägen. Ein Beispiel ist das altehrwürdige Bäckerhandwerk oder besser gesagt die turbokapitalistische Knet- und Backindustrie. Ziel ist die Gewinnmaximierung durch backen am Fließband. Was für die Automobilindustrie scheinbar funktioniert soll auch für Brot, Teilchen, Kuchen und Torten herhalten. Ford sei Dank könnte man meinen, aber der Bremer Kaufmann Ludwig Roselius produzierte seinen „Kaffee Hag“ vor Ford am Fließband. Käffchen und Törtchen - so schließ sich der Kreis hin zu den Leckerein aus Butter, Mehl und Zucker. Das Bäckerhandwerk ist bis auf wenige Einzelkämpfer fast ganz verschwunden. Die großen Bäckerketten dominieren. Diese sorgen - und hier schließt sich wieder der Kreis zur Automobilindustrie - für immer wieder neue Kunstnamen für althergebrachte Produkte. Immer wieder gern wird man auch als Kunde dazu gezwungen den Firmennamen der jeweiligen Kette vor Ort mehrfach laut und deutlich zu wiederholen, "eine Kampsecke bitte" oder "eine Steinecke bitte". Ähnlich wie bei den Fastfood-Ketten werden auch versehentliche Verwechslungen der Produktnamen gern mit einem bösen Blick und oft sogar mit einem "Wie bitte? Was möchten Sie?" bestraft. Ich schaffe durch den Wegfall des Trinkgeldes in solch einem Fall den Ausgleich zum 1:1.

Aber was kann die Backwarenfachverkäuferin dafür das die Bosse merkwürdige Namen vergeben - nischt! Neulich bei Kamps:

Ich: "Guten Tag! Eine Streuselschnecke bitte!"
Verkäuferin: "Bitte was?"
Ich: "Eine Streuselschnecke bitte!"
Verkäuferin: "Sie meinen den Streuseltaler?"
Ich: "Ja, meinet wegen solang es das da ist" und deute mit dem Finger auf die blitzblank geputzte Glasscheibe. Aber das ist ein anderes Thema.
Verkäuferin: "Das ist ein Streuseltaler! Sieht ja auch nicht aus wie eine Schnecke!"
Ich: "Ja, dann den und einen Spritzkuchen! Bitte!"
Verkäuferin: "Ähm das da? Das ist ein Spritzring!"
Ich: "Ja bitte! Einen Spritzring!"

Anscheinen hat die Verkäuferin sich in den Kopf gesetzt mich fertig zu machen. Ich überlege wie ich es ihr heimzahlen kann. Und entdecke ein Brot das mein Interesse weckt.

Ich: "Das Brot da zu 2,79€. Da steht besonderes Aroma. Sagen Sie was ist denn das für ein besonderes Aroma. Das steht da nicht mit auf dem Zettel und für 2,79 würde ich schon gern wissen was das für ein besonderes Aroma ist."
Verkäuferin: "Ähm ja ... das iiiissst...ähm ... Honig! Da ist Honig mit drin!"
Ich verziehe angewidert das Gesicht: "Nee Honig innem Schwarzbrot. Nee nee!"
Verkäuferin: "Naja das Schmeckt man gar nicht!"
Ich: "Aha, ein Brot mit besonderem Aroma für 2,79€ das man nicht schmeckt. Könnte man ja den Honig weglassen dann wird es billiger."
Die Verkäuferin grinst verlegen: "Macht 5,45€ bitte".
Jetzt hab ich sie. Ich deute auf das Kassendisplay: "Da steht aber 4,45€!"

Naja was solls. Ich bin im Übrigen dafür das man seine alten Backwaren zurückbringen kann und dann dafür beim Kauf von neuen Backwaren Geld zurück bekommt. Man könnte das dann Abbackprämie nennen oder so! Damit jemand diese zu viel produzierten Kuchen, Teilchen, Törten und Brote kauft und die Umsätze weiterhin exponential wachsen.

Und schon wieder ist eine Runde rum im sich mehrfach schließenden Kreis in dem wir uns wieder und wieder drehen. Wie heißt es so schön Schrippen kaufen keine Schrippen. Vielleicht gibts ja demnächst Offroadschrippen die man auch abseits der Bürgersteige essen kann. Muss man aber nicht! Man zeigt halt das man es könnte.

Fotos: © Rainer Sturm / PIXELIO / www.pixelio.de

Wer, Wo, Weshalb

Lange habe ich mich erfolgreich gewehrt. Vergebens. Hier bin ich also. Nun gilt es nur noch die berühmten drei w zu beantworten. wer, wo, weshalb. Ich lebe in Berlin der Stadt der Städte in Deutschland. Im Gegensatz zu vielen Anderen hier kann ich diese Stadt wirklich meine Heimat nennen. Eine Stadt die viel ist, aber vorallem eines - wahnsinnig. Womit ich schon beim weshalb bin. Das sich durch das wer und wo erklärt. Es gilt gründlich zu lesen. Ich wähle meine Worte genau und ich wiederhole mich nie. Warum das alles? Weil ich es kann, oder anders gesagt - deshalb.

Foto: © PT13 / PIXELIO / www.pixelio.de