
Wir leben in einer Gesellschaft der Regeln und Gesetze. Scheinbar! Doch hier und da tun sich einige kleine Enklaven auf die vollkommen ungeregelt unseren Alltag prägen. Ein Beispiel ist das altehrwürdige Bäckerhandwerk oder besser gesagt die
turbokapitalistische Knet- und
Backindustrie. Ziel ist die Gewinnmaximierung durch backen am Fließband. Was für die Automobilindustrie scheinbar funktioniert soll auch für Brot, Teilchen, Kuchen und Torten herhalten. Ford sei Dank könnte man meinen, aber der Bremer Kaufmann Ludwig
Roselius produzierte seinen „Kaffee
Hag“ vor Ford am Fließband. Käffchen und Törtchen - so
schließ sich der Kreis hin zu den Leckerein aus Butter, Mehl und Zucker. Das Bäckerhandwerk ist bis auf wenige Einzelkämpfer fast ganz verschwunden. Die großen Bäckerketten dominieren. Diese sorgen - und hier schließt sich wieder der Kreis zur Automobilindustrie - für immer wieder neue Kunstnamen für althergebrachte Produkte. Immer wieder gern wird man auch als Kunde dazu gezwungen den Firmennamen der jeweiligen Kette vor Ort mehrfach laut und deutlich zu wiederholen, "eine
Kampsecke bitte" oder "eine Steinecke bitte". Ähnlich wie bei den
Fastfood-Ketten werden auch versehentliche Verwechslungen der Produktnamen gern mit einem bösen Blick und oft sogar mit einem "Wie bitte? Was möchten Sie?" bestraft. Ich schaffe durch den Wegfall des Trinkgeldes in solch einem Fall den Ausgleich zum 1:1.
Aber was kann die
Backwarenfachverkäuferin dafür das die Bosse merkwürdige Namen vergeben -
nischt! Neulich bei
Kamps:
Ich: "Guten Tag! Eine Streuselschnecke bitte!"
Verkäuferin: "Bitte was?"
Ich: "Eine Streuselschnecke bitte!"Verkäuferin: "Sie meinen den
Streuseltaler?"
Ich: "Ja, meinet wegen solang es das da ist" und deute mit dem Finger auf die blitzblank geputzte Glasscheibe. Aber das ist ein anderes Thema.Verkäuferin: "Das ist ein
Streuseltaler! Sieht ja auch nicht aus wie eine Schnecke!"
Ich: "Ja, dann den und einen Spritzkuchen! Bitte!"
Verkäuferin: "
Ähm das da? Das ist ein
Spritzring!"
Ich: "Ja bitte! Einen Spritzring!"Anscheinen hat die
Verkäuferin sich in den Kopf gesetzt mich fertig zu machen. Ich überlege wie ich es ihr heimzahlen kann. Und entdecke ein Brot das mein Interesse weckt.
Ich: "Das Brot da zu 2,79€. Da steht besonderes Aroma. Sagen Sie was ist denn das für ein besonderes Aroma. Das steht da nicht mit auf dem Zettel und für 2,79 würde ich schon gern wissen was das für ein besonderes Aroma ist."Verkäuferin: "
Ähm ja ... das
iiiissst...
ähm ... Honig! Da ist Honig mit drin!"
Ich verziehe angewidert das Gesicht: "Nee Honig innem Schwarzbrot. Nee nee!"Verkäuferin: "
Naja das Schmeckt man gar nicht!"
Ich: "Aha, ein Brot mit besonderem Aroma für 2,79€ das man nicht schmeckt. Könnte man ja den Honig weglassen dann wird es billiger."Die
Verkäuferin grinst verlegen: "Macht 5,45€ bitte".
Jetzt hab ich sie. Ich deute auf das Kassendisplay: "Da steht aber 4,45€!"Naja was
solls. Ich bin im Übrigen dafür das man seine alten Backwaren zurückbringen kann und dann dafür beim Kauf von neuen Backwaren Geld zurück bekommt. Man könnte das dann
Abbackprämie nennen oder so! Damit jemand diese zu viel produzierten Kuchen, Teilchen,
Törten und Brote kauft und die Umsätze weiterhin
exponential wachsen.
Und schon wieder ist eine Runde
rum im sich mehrfach schließenden Kreis in dem wir uns wieder und wieder drehen. Wie heißt es so schön
Schrippen kaufen keine
Schrippen. Vielleicht
gibts ja demnächst
Offroadschrippen die man auch abseits der Bürgersteige essen kann. Muss man aber nicht! Man zeigt halt das man es könnte.
Fotos: © Rainer Sturm / PIXELIO / www.pixelio.de